Dienstag, 20. November 2007

Orakel

führen in die vielen Wirklichkeitsebenen des Seins. Das bedeutet, dass jede Person für sich eine Methode finden muß, um einzusinken in die vielen Möglichkeiten und auszusteigen aus der Linearität des Alltags. Deshalb sind viele alte Orakel eigentlich Techniken, die den Geist beschäftigen, so dass er aufhört, immer dieselben Gedanken hin und her zu wenden, Für und Wider abzuschätzen, das Hamsterrad ständig weiter anzutreiben.


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Je weniger linear ein Orakel angelegt ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es seinen wahren Zweck erfüllt, nämlich der fragenden Person die Hast des Alltags abzustreifen, um frei zu schweben, mit den Impulsen zu tanzen und schließlich vielleicht sogar die Frage fallen zu lassen, weil ein ganz anderes Bild auftaucht, das ganz neue Implikationen und Werte aufwirft.
In indianischen Kulturen geht die Person, die ein Problem oder eine Frage hat, deshalb auf Visionssuche. Wenn diese Visionssuche bei uns nachgespielt wird, dann geht es den "Schamanen", den WortführerInnen oft um eine sklavisch genaue Einhaltung der Überlieferung. Zwar wissen wir gar nicht, wie genau die Überlieferung ist, durch wie viele eigenmächtige Veränderungen ihre Regeln gestaltet wurden, Hauptsache, ein echter Indianer hat's überliefert. Das hat mit dem Einsinken in die Traumzeit, mit dem Ausfahren aller Antennen für die kosmischen Impulse überhaupt nichts zu tun, eher schon mit Herrschaft und Unterwerfung, mit fundamentalistischen Strömungen, die Regeln aufstellen und ihre Einhaltung mit strengen Strafen sichern. Mit anderen Worten: Das ist langweilig.


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Die Form ist nicht dazu da, den Inhalt zu ersticken, obwohl es in der esoterischen Szene oft so gemacht wird. Oberpriesterinnen und selbst ernannte Heilige diktieren dem Fußvolk, was zu tun und zu lassen ist. Der formale Wahnsinn kennt keine Grenzen. Da wird in der Schwitzhütte eine fast umgebracht, weil das Ritual es verbietet, sie an die frische Luft zu bringen. Da feiern Dogma und Geheimniskrämerei fröhliche Urständ in Hexenzirkeln.


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Wer eine andere Person nötigt, Geheimnisse zu bewahren und bei Nichteinhaltung dieser Regeln Strafen androht, bewegt sich auf dem Pfad, auf dem sich Kinderschänder und Diktatoren, Religionsführer und Manipulatoren bewegen. Die Erde gibt uns all ihre Geheimnisse preis, wenn wir dafür bereit sind und sie wahrnehmen können. Und wir wollen entscheiden, wer welche Geheimnisse wissen darf und wer nicht? Geheimnisse, innere Kreise, Erhabene, Erleuchtete führen in eine Art von Gefangenschaft, die wieder nur die Führerin, der Führer lockern kann. Mit spiritueller Erkenntnis hat das nichts zu tun. Mit Machtgelüsten viel.
Es ist also sinnvoll, eigene Orakeltechniken zu entwickeln oder zu finden, die Spiegelung zulassen, ohne ein Urteil zu fällen.



Aus:
Luisa Francia, Dunkle Spiegel. Orakel als Weg in andere Wirklichkeitsebenen, Verlag Frauenoffensive 2007

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