Mittwoch, 24. Mai 2006

Eine Frage des Stils

Oder: Die einen bedienen sich manchmal der Copy-and-Paste-Methode. Und benennen ihre Quellen. Die anderen bestücken ihre Online-Magazine mit Artikeln aus gespitzelten Informationen. Ohne Namensnennung.

Cehpunkt bekommt heute im Blog Platz, um sich seine Wut von der Seele zu schreiben:


Was ist eigentlich mit...
(oder Nachrufe dass es hallt)

Aufmerksame Beobachter werden festgestellt haben, dass spätestens seit Sommer 2005 einige ambitionierte Tätigkeiten der nachstehenden Subjekte doch arg abgenommen haben, um nicht zu sagen: abgesehen von sterbenden Websites und diversen Cache-Leichen seitens Google & Konsorten nichts neues. Auch die Generation Blogger scheint abgelöst durch eine derzeit beschriebene Generation Blockheads (schade, dass es kein entsprechendes Wort für Schnüffeln, Bespitzeln und Stören gibt, aber auch mir gehen gelegentlich die Wortspiele aus. Was nicht bedeutet, sprachlos geworden zu sein. Wie man sieht ;-)). Aber der Reihe nach:



Erster Nachruf: cehpunkt
Nach vielen Jahren ist Herr cehpunkt von uns gegangen. Nicht physisch (den Gefallen tue ich einigen Leuten einfach nicht so schnell wie gewünscht), sondern als langjähriges Pseudonym für meine werte(?) Person. Im Sinne des Wortes: eine abgelegte Maske. Ruhe wohl, cehpunkt, und diene fortan nur noch als mittlere Initiale meines bürgerlichen Namens.



Zweiter Nachruf: reinesfreiland.de
reinesfreiland war das, was es heißt: das Netz als neuer, unerschlossener Raum. Nun, vieles ist nach wie vor unerschlossen, von freiem Land mag ich allerdings nicht mehr sprechen. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre haben mich da eines besseren belehrt - publizistische Freiheit in .de ist halt so eine Sache. Tut mir leid, Jungs von der SS (ähm, dem SS), eure ABMs sind beendet. Und den Jungs vom BND sei herzhaft vor die Tür gesch...rieben: jeder Spass hat ein Ende, auch als Lektor. Mehr zu diesen Masken an anderer Stelle; lediglich die Lektoren/Mitnick-Nummer sei hier lobenswert erwähnt (und meine eigene an Dämlichkeit grenzende Vertrauensseligkeit). Wie lange der Erfolg in der OpenSource-Szene anhält, wird man sehen. Schade, ein paar Monate früher, und Herr B. hätte einen würdigen Platz im Hörspiel gefunden. Was nahtlos überleitet zum Nachruf 1, aber der ist schon durch. Wirklich schade, aber nichts ist vergessen. Nichts. Und um jedem Missverständnis vorzubeugen: keinesfalls werden wir (da isse wieder, die Generation Blogger) uns auf euer Niveau begeben oder gar eure Methoden anwenden. Europa kommt, und damit auch europäische Rechtsprechung. Und sei's in zwanzig Jahren: auch Opas und Omas kommen in den Knast. Auch da bleiben wir ganz rechtsstaatlich und verfassungskonform, versprochen. Denn auch die Stasi musste irgendwann ihre Archive öffnen...



Dritter Nachruf: Vogon Swing
Der schmerzhafteste von allen Nachrufen. Fünf Jahre als Vogon Swing, über zwanzig Jahre als musizierende Freunde. Was den offiziellen Part betrifft: eine Neuauflage von Vogon Swing wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Ohne jeden Sarkasmus (das geht, wirklich): tiefe Trauer. Nicht nur um die Musik. Und der Rest ist zu persönlich für diese Stelle.



Erster Wachruf: Liebe ist nicht genug, man braucht auch Salzgurken zum Fisch

Die Totgesagten leben meistens länger... es war ein "echt herber Streifen", eine No-Budget-Produktion wirklich ohne Budget zu fahren. Aber was lange währt wird endlich gut: nach zwei Jahren ist's fast geschafft. Ohne Content-Mafia, staatliche Förderung (worauf auch in Zukunft dankend verzichtet wird) oder Sponsoren der Medien- und Globalisierungsmafia (trotzdem wird im Film gequalmt, dass es kracht, aber die Kippen haben alle selbst bezahlt). Was nicht heißen soll, dass die mannigfaltige private Unterstützung aus den Augen geraten sei. Wiederum ohne Sarkasmus (langsam bekomme ich auch darin Übung): ein riesengroßes Dankeschön an alle Beteiligten für ihre Geduld, ihr Engagement und Hingabe. Und das mit dem Geld kriegen wir auch in den nächsten Jahren in den Griff.



Zweiter Wachruf: Liliths Lounge
Nachdem Frau Morgaine sich verabschiedet hat (deren Nachruf sei hier zunächst implizit), konnte doch der ein oder andere seinen Zynismus nicht zügeln, von Lernfähigkeit war die Rede. Lernfähig sind wir (die Generation Blogger, auch auf die Gefahr von Wiederholungen hin), und Lilith ist viel besser geeignet, den nächsten Schritt von der virtuellen in die reale Welt zu tun. Was ohne die wichtigste Nebensache der Welt (nicht Sex, sondern Geld) nicht ganz so leicht ist, aber Schritt für Schritt... mehr Details an anderer Stelle.



Dritter Wachruf: BlooGee, Web 2.0 et all
Da Lilith bereits ganz erfolgreich in Bloglandos mit dem Begriff mischt, hier ein paar eher technische Informationen (besonders für diejenigen unserer oben erwähnten Freunde, die des Englischen nicht ganz so mächtig sind): zunächst mal ist BlooGee ein Wortspiel, das hier nicht weiter entschlüsselt sei (ooooch...). Ganz praktisch ist BlooGee ein AddOn (diese Anglizismen...) für Weblogs und CMSs (Anglizismus und Akronym zugleich, shit ooch!), das einige einfache Eigenschaften des HTTP-Protokolls ausnutzt (wozu? Gleich, Geduld!). Zu Grunde liegt ein einfaches Objektmodell (Herr B. vom großen amerikanische Fachverlag: das war nur die Hälfte, die Sie da bekommen haben. Wie gesagt, lernfähig!) zur Beschreibung von MicroContent à la Weblogs. Sehr simple (sorry...), aber effektiv. Was Herr B. wohl erst sehr spät verstanden hat (es ist halt leicht, Dritte über Dinge schreiben zu lassen, von denen man zwar eine Ahnung, aber im Kern denn doch keine solche hat) ist die Konsequenz einer geschickten Implementation (z.B. als BlooGee): was Dateitauschbörsen (na, das war doch mal ein geschickt vermiedener Anglizismus!) seit Jahren vormachen, klappt auch mit Texten.

Genauer? Zentralistische Serverstrukturen à la Google bleiben außen vor und dienen bestenfalls als Einstiegspunkte. Nachrichten lassen sich unabhängig von Email transportieren, und Kommunikationssperren sowie Schnüffler (s.o.) haben es echt schwer. Wem dies alles immer noch chinesisch (oder Sanskrit, oder wie auch immer) erscheint: BlooGee ist weniger ein System zum Bloggen, sondern ein (derzeit nur teilweise) implementiertes Protokoll. Dieses Protokoll nutzt die "natürlichen" HTTP-Header, um Nachrichten zwischen Webservern auszutauschen. Mehr noch, es dient zum Zwischenspeichern von Nachrichten (dazu zählen auch Suchanfragen oder ganze Texte von regional schwer ereichbaren Websites), und auch regional "unpopuläre" Suchbegriffe lassen sich wunderbar maskieren. Obendrein (oder untendrunter, denn dies ist der ursprüngliche SInn des eingangs erwähnten Objektmodells) lässt sich Content auf diese Weise unabhängig von Stichwortsuchen vernetzen. Kurz: BlooGee dient in erster Linie der Bildung von semantischen Wissensnetzen. Der Rest sind einfache technische Konsequenzen. Sollte sich BlooGee durchsetzen, so sollte man keine Google-Aktien mehr kaufen... [DISCLAIMER: mir ist durchaus bewusst, dass auch Verbreiter z.B. pornographischer Inhalte oder ideologischen Mülls an einem solchen System Interesse hegen könnten. Wie in der Vergangeheit gilt (nicht wahr, lieber J.!?): keinerlei Support von meiner Seite, egal wie attraktiv der Preis ist. So dringend kann ich kein Geld brauchen. Aber zurück zum Thema:] Die vorliegende Version hat zwar eine Menge Code sowie ein schickes Outfit, implementiert aber nur den Kern des BlooGee-Protokolls. Denn dies muss man sicherheitstechnisch ummanteln, und genau dies tut die vorliegende Version 0.00f. Alles Weitere zunächst in den englischsprachigen ReadMe's, das volle Protokoll mit der Version 0.1 (ehrlich gesagt muss ich erst noch einmal tief ins Mathebuch der Sek II schauen... hätte ich mir damals in der Schule nicht träumen lassen, mit 5 Punkten insgesamt in Mathe. Douglas Hofstaedter kannte ich damals leider noch nicht. But that's life..).



Erste persönliche Anmerkung
Wer dem Herrn Koch (mir) nun bescheinigt, dass er endgültig einen Knall hat: wohl denn, nur zu. Den Paranoiker und Verschwörungstheortiker ziehe ich mir (zumindest für einige Zeit) ganz gerne an; nichts lieben Menschen mehr als solche. Das ist interessant, das liest man gerne, und die Ratten kommen aus den Löchern. Wo ich schief liege, liege ich halt schief, und gebe dies auch unumwunden zu. Versprochen. Und bereits hier möge man mir verzeihen, Menschen als Ratten bezeichnet zu haben - für gewöhnlich (so auch hier) achte ich diese als Subjekte. Trotz alledem.



Zweite persönliche Anmerkung
In der Vergangenheit kamen gelegentlich Vorwürfe, es mangele mir an "political correctness" (dabei wäre dieser Anglizismus soo leicht zu umgehen). Nun, zu diesem Begrif: Sch**** drauf. Dies ist eine der schlimmsten Verdummungswortschöpfungen, die ich kenne. Y basta, Hand drauf.



Dritte persönliche Anmerkung
"Da ist doch ein Thema, dass Sie ganz und gar aussparen!" Nun, ganz bewußt, bis eine ganz zentrale Entscheidung in nicht nur meinem Leben gefallen ist (und die treffe ich leider nicht selbst). Soviel (und ganz kryptisch): auch Klüngel ist nur ein anderes Wort für Korruption. Und Kinder sind keinesfalls nachwachsende Rohstoffe; dies zu glauben oder zu sagen bedarf eines massiven neoliberalen Hirnschadens. Wer nun Parallelen zum 2. Nachruf vermutet: ja, kann man so sehen.



Nachwort
"Ach je, Herr Koch... washatterdennnuwieder?" Man wird sehen... jedenfalls den selbst(?) verliehenen Maulkorb abgelegt. Mal sehen, wer diesen versucht wieder anzulegen. Und wie in jeder anständigen Oper folgt nach dieser Ouverture erst einmal eine Generalpause, ungeachtet allem Applaus oder Pfiffen. Sic.


cehpunkt

Trackback URL:
https://morgaine.twoday.net/stories/2062790/modTrackback

Zufallsbild

mirror1

Contact

Astrid Haarland M.A. Politologin - Soziale Kunst- und Ausstellungsmacherin - Commander/ISLA - a.haarland(at)googlemail.com - Choose safe communication ... ;-)

Suche

 

Comment History

Credits