Mittwoch, 11. Juli 2007

Kleine Kredite, großer Mythos

"In Indien zum Beispiel sind Mikrokreditprogramme der neue flächendeckende Prototyp von "Selbsthilfe". Früher stellten Frauen in den Selbsthilfegruppen die politischen Überlebens- und Geschlechterfragen: Wem gehört das Land, das Wasser, das Saatgut, der Körper der Frauen, ihre Arbeit, die Macht im Dorf? Jetzt dreht sich alles ums Geld: Wer bekommt einen Kredit, für welche "einkommenschaffende Tätigkeit" wird er genutzt, wie wird er zurückgezahlt? Der Kredit entpolitisiert die existenzielle Frage des Überlebens und ökonomisiert sie in marktangepasster Form.

Längst satteln findige Unternehmen ihre Verwertungsinteressen auf die existenziellen Bedürfnisse der Frauen drauf. Sie bieten den "Selbsthilfe"-Frauen ein Franchisesystem an: Mit Hilfe des Kredits sollen sie im Dorf einen Kiosk eröffnen und Industrieprodukte verkaufen. Eine Selbsthilfegruppe im südindischen Tamil Nadu machte einen "Minisupermarkt" am Rande einer Kleinstadt auf, mit "modernen" Produkten, sauber verpackt und verschweißt, darunter Zahnpasta von Henkel, gesundheitsschädliche Bleichcreme, um die Haut aufzuhellen, und Mineralwasser von Coca-Cola, wofür der Konzern den Dörfern unweit vom Supermarkt das Grundwasser abpumpt.

Dagegen nehmen die Jungunternehmerinnen die Gewürze, Öle und Heilmittel, die die Dorffrauen nebenan herstellen, nicht ins Sortiment auf, weil sie nicht "richtig" verpackt sind. So führt die Selbsthilfegruppe den freien Wettbewerb ein: Konzernwaren gegen die Produkte der Kleinbäuerinnen und Straßenhändlerinnen."


Kommentar von Christa Wichterich
Ein Tipp von Jutta Baxter - Frauennetz attac

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